MoniPhasen

Ich war nie ganz dünn, ich war nie dick. Dazwischen hab ich eine Spanne von etwa 20 kg erlebt. Ich habe mir gerade ausgerechnet, dass auf meine Körpergröße von 176cm gerechnet in Bezug auf den BMI 59-80kg im IDEALEN Bereich liegen. Und innerhalb dieser Spanne habe ich mich bisher bewegt.

Ich gestehe, körperlich fühle ich mich am anderen Ende dieses Bereichs am wohlsten. Die Kleidung passt besser, ich gefalle mir besser, der Sport fällt leichter. Mein Wunsch ist also sportliches Schlank. In den letzten drei Jahren, in denen ich Mama geworden bin, ist der Sport in den Hintergrund getreten. Da ich mich aber bewusst ernährt habe und auch mit Kindern die Bewegung nicht ausbleibt, habe ich nach den Geburten nicht zugenommen, sondern jeweils 5kg weniger gehabt. Ich bin nicht mehr schwanger, ich stille auch nicht mehr. Das heißt, mein Körper muss keine zusätzlichen Reserven mehr aufbauen, um meine Kinder mitzuernähren. Ich schreibe das Abnehmen auch dem geregelten Tagesablauf, dem alkoholfreien Lebensstil sowie dem Wegfall von Einsamkeits- oder Frustessen zu. Und auch der Vorbildwirkung gegenüber meinen Kindern in Bezug auf gesunde Ernährung. Ich esse gerne, gut und möglichst gesund. Meine Kinder halten mich auf Trab. Da folgt die Balance, das gesunde Mittelmaß automatisch. Sport beginnt wieder, die Sonne scheint und ich freu mich. Soweit so gut.

Jetzt fühlt sich aber plötzlich jeder bemüßigt, mein Äußeres zu kommentieren. Über ehrlich gemeinte Komplimente freue ich mich natürlich. Über neutrale Aussagen auch, also über nette Gespräche insgesamt. Was mich ein wenig nervt, sind Kommentare, wie “Da müss ma dich aufpeppeln.” oder “Jetzt ist aber dann genug mit Abnehmen.”

Was insgesamt interessant zu beobachten war über die Jahre, waren die verschiedenen Reaktionen meiner Umwelt. Mein Opa zum Beispiel hat je  nach Situation gewitzelt, ich solle doch lieber die Stiegen nehmen bzw. mehr Knödel essen, dem nehm ich aber nix krumm.

Mit 16 und 59 kg bekam ich von meiner Mutter zu hören “Du bist zu dünn.” Und ich war so stolz darauf, in die alten Hosen meines damals dünnen jüngeren Bruders zu passen. Mit 16 ist der Körper aber noch nicht erwachsen.

Mit 73 kg ein halbes Jahr später hat sich mein Körper verändert, aber  so im Großen und Ganzen war alles beim Alten. Ich hab eine Zeit lang keine BHs getragen, weil das so unangenehm war und einiges hat auch nicht mehr gepasst. Auf der anderen Seite war von der Persönlichkeitsentwicklung her ein Sprung da, dass ich selbstewusster und fröhlicher war, da hat mir das nichts ausgemacht.

Ein Jahr später war ich stolz auf 63 kg. Da meinte mein damaliger Freund: “Das Schwabbelige an den Beinen krieg ma a no weg mit Sport.” Trottel, dachte ich bei mir! Und, du machst doch auch keinen Sport, sagte ich. “Andere jammern bei 60 kg, dass sie dick sind!” sagte er dann weiter. Ja, aber vielleicht bei ein paar cm weniger in der Höhe, dachte ich.

65kg: Eine Bekannte sagt mir, dass ich so fantastisch aussehe. Jammert über 5kg zu viel. Ist schlanker als ich. Eine der anderen also.

Mit 68kg erhielt ich eine Absage auf einem Onlinedatingportal: “Wäh, du bist ja dicker als ich! Was soll ich mit dir?” 63kg der Typ, das Hendl. E wahr. Nicht größer als ich und so dürr. Was soll ich mit dem?

Mit 78 kg wurde ich beim Weggehen entweder von Männern nicht beachtet  (ich denke da besonders an diese hochgewachsenen Schönlinge, denen gegenüber ich dann das oberflächliche Etikett oberflächlich und arrogant verpasst habe), oder aber besonders von denen, die eindringlich auf die inneren Werte hinwiesen. Dachten sie, so besser punkten zu können? Aufrisssprüche kamen derart daher: “Du bist zwar keine Schnitte, aber ich finde dich trotzdem toll.” Na, jetzt fühl ich mich aber geschmeichelt. Oder: “Ich wollt immer schon mal was mit einer Molligen haben.” Haltaus, mollig, na bumm? Dafür aber kam ich so das erste Mal im Leben gut mit den Frauen aus und lernte beim Ausgehen nette Mädels kennen. Und was sagt uns das?

Und dann pendelte ich einige Jahre so zwischen 68 und 72 hin und her.

Kurz vor meiner ersten Schwangerschaft hat sich mein Körper einen Vorrat angefuttert. Dann schwanger. Dann stillen. Dann schwanger. Dann stillen. Dann war mein Immunsystem im Keller und ich war drei Mal hintereinander eine Woche krank.

Und jetzt gehts dann so weiter:

Mit 29 und 63kg: “Was ist mit der Moni los?” “Jetzt hörst dann aber schon auf mit Abnehmen, oder?” Meine Mutter blieb ihrer Linie treu: “Du bist fast schon zu dünn.” (Aber eine Mami darf das, der nehm ich die Besorgnis auch ab. Aber sie hat auch nach jedem ihrer Kinder abgenommen. Kann ja nix dafür ;) ). Beziehungsweise: „Dünn, aber halt skinny fat.“ Na schmacks. Ich sag ja, ich mach jetzt endlich wieder Sport.

Interessant ists, von sich innen heraus zu schauen, wie sich die Leute zu einem ändern, wenn man doch immer einfach man selbst ist. Mein Körpergefühl hat sich auch verändert über die Jahre. Ob ich mich grad “dick” oder “dünn” fühle hat nix mit den Kilos zu tun, sondern damit, wies mir grad rundum geht. Und um das gehts ja auch, sich wohl fühlen in seiner Haut. Und Freunde und Deppen trifft man so oder so. Und gewissermaßen war die “mollige” Zeit ein Sprungbrett, mich das auch zu trauen, ich zu sein, dann, wenn die Maskerade fällt. Und vor allem auch, um die Oberflächlichkeit auf vielerlei Arten zu entdecken.

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