Träumer werben

Wir wollten dieses Auto gewinnen. Deswegen war ich am Volksfest. Verlosung war um 19.30. Also ging ich um 19.20 noch spazieren und sah mir die Standln an. Das Auto haben wir nicht gewonnen, ganz nebenbei. Gerade rechtzeitig zur Ziehung des 2. und 1. Preises erreichte ich die Verlosung. Als Trostpreis spendierten wir uns ein Langos.

Ich in meinen ach-was-bin-ich-verzückt-das-erste-Mal-seit-langem-am-Kirtag-all- die-vielen-bunten-Sweets-und-Cars-und-Leutz-Staun-Träumen wurde der arglose Fang eines Zettelverteilers. Wobei, so arglos war ich ja nicht, doch argwöhnisch, aber halt noch in meinen siehe-oben-träum-Verzückungen.

Da ich in guter Stimmung war, nahm ich den Zettel und sprach einen gönnerhaften Dank aus, sah, dass es sich um eine anscheinend gute Sache handelte und wollte weiterwandern. Da sagte mit der Zettelverteiler, ich hielte doch einen Gutschein für Geschenke in der Hand. Geschenke? Dachte ich. War ich am Ende doch bei einer Schießbude gelandet und durfte einmal mit Bällen werfen, an den Dosen vorbeischießen und mir dann einen Trostpreis nach Hause nehmen? Ich dachte, es handelte sich um Tiere* [* Um die Organisation nicht zu brüskieren, sei sie hier auch nicht genannt.].

Gut, ich noch in meinen besagten Träumen wurde verbal weitergeschoben zu des Zettelverteilers Kollegen, der stehe gleich da drüben und hätte eine Umfrage für mich. Eine Umfrage? Ich dachte, es ginge um Geschenke? Gönnerhaft in Gedanken dachte ich, die 5 Minuten für eine kleine Marktforschung hätte ich wohl übrig. Bei der letzten Befragung (der einzigen bisher und das vor Jahren), hatte ich mir immerhin eine Schachtel Pralinen erarbeitet. Also würde ich eben als haustierloser Mensch einen Beitrag zur Tierfuttermarkterhebung leisten, oder ähnliches.

Hätte ich doch nur genau gelesen. Und hätte ich mir doch nur vertraut, dass ich diesen Stand aus meiner Wahrnehmung ausgeblendet hatte. Ich war nun vollends in die Werberfalle getappt.

Doch noch immer glaubte ich an die Umfrage. Mit den Worten, ich zahle nichts, ich mach euch schnell die Umfrage und dann geh ich wieder, begann ich das Gespräch. Und dann kamen die Fragen. Ob ich die Organisation kenne, ob ich denke, sie sei sinnvoll, wie lange die Tiere* ausgebildet würden, in welchen Situationen die Organisation tätig werde.

Meine höflichen Nachfragen, worum es sich denn handle wurden mit einem monotonen, rasch abgespulten Redeschwall beantwortet, einstudiert und noch zu vertraut aus Dialogerzeiten, als man selbst jung war und e schon wissen. Bei den Geschenken handelt es sich um Gutscheine, die Übergabe eine Farce, ich will weg, er möchte, dass ich einen Einziehungsauftrag unterschreibe, für den die Gutscheine wohl als Stornoabsicherung dienen sollten. Noch einmal, ich möchte nicht zahlen.

Die rhetorische Retourkutsche: Es handle sich nicht um Geld, nur um eine finanzielle Unterstützung. Fragen, die mit Ja zu beantworten seien, so als ob nun auch die Frage nach der Zahlung die selbe Antwort nach sich zöge.  Zwischendurch garniert mit Aussagen, die das schlechte Gewissen nähren sollten. Und dann Killer: Für nur 40 Cent am Tag… Meine Güte, hört mit mein Gegenüber denn auch zu??

Nun gut, für eine wortlose Flucht bin ich zu ängstlich besorgt um das Gemüt meines Gegenübers. Sachlichen Argumenten scheint der Herr nicht zugänglich.

Also drehe ich den Spieß um. In der Rolle des Fragers fühle ich mich wohler. Ich stelle Fragen, mein Gegenüber erzählt mir Persönliches. Nach einigen Minuten an Plauderei verabschiedet ER sich dann etwas ungeduldig mit den Worten, ich glaub, ich muss dann mal wieder weiter.

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The World’s Best Stepmother

„I want to be the world’s best stepmother.“ Throughout the first year of my new blended family life this had been my claim. In my position I wanted to perform best.

Then I started wondering where this would lead me. And I came to the conclusion that there would be a great chance of failure in this strive for perfection.

I decided to relax. I’m their only stepmum, therefore I’m the best one already. The best, but also the worst, the most beautiful and the ugliest, the nicest one and the meanest. The funniest one and the biggest bore, anything, you name it. So no more competing with the big unknown from now on.